fenster.com Köpfe der Woche zum Weltfrauentag: Jil Pastner & Yadira Garcia
Der Weltfrauentag steht für Gleichberechtigung und gegen die Diskriminierung von Frauen weltweit. Gerade als „Männer-Liga“ ist es uns wichtig, hier ein Zeichen zu setzen!
Deshalb haben wir einige Frauen, die in ganz unterschiedlichen Bereichen rund um die HANDBALL LIGEN AUSTRIA tätig sind, zu unseren fenster.com „Köpfen der Woche“ gemacht und zum Interview gebeten. Sie sprechen über ihren Weg zum Handball, ihre Erfahrungen im Sport und darüber, welche Veränderungen notwendig sind, um mehr Diversität und Gleichberechtigung im Handball zu fördern!
Jil und Yardi, Hosts des Podcasts UNTERZAHL., erzählen im Interview, welche Rolle Handball heute in ihrem Leben spielt und warum mehr Sichtbarkeit und Verantwortung für Frauen den Sport langfristig stärken können!
Welche Rolle spielt Handball aktuell in deinem Leben?
Jil: Handball spielt eine riesige Rolle in meinem Leben. Während ich vormittags in der Uni oder in der Arbeit bin, verbringe ich einen Großteil meiner Freizeit mit diesem Sport – sei es in meiner Vorstandsrolle beim UHK Krems, als Co-Host des Podcasts UNTERZAHL. oder auch einfach als Fan in der Halle.
Handball ist und war immer meine große Leidenschaft. Umso mehr freut es mich, heute in unterschiedlichen Rollen dazu beitragen zu dürfen, den Sport weiterzuentwickeln und aktiv mitzugestalten. Für mich ist Handball ein echtes Herzensprojekt und mir liegt sehr viel daran, diesen besonderen Sport weiter voranzubringen.
Yadi: Handball spielt mittlerweile eine ziemlich große Rolle in meinem Leben. Nicht nur, weil ich durch meinen Mann seit vielen Jahren sehr nah an der Szene bin, sondern auch, weil ich mit unserem Podcast UNTERZAHL. begonnen habe, Handball aktiv mitzugestalten und darüber zu sprechen.
Für mich ist Handball heute nicht nur ein Sport, den ich anschaue. Es ist eine Community und eine Plattform, auf der man Geschichten erzählen, Menschen verbinden und dem Sport mehr Sichtbarkeit geben kann.
Wie bist du das erste Mal mit Handball in Verbindung gekommen?
Jil: Mein Vater, Wolfgang Pastner hat in den 90er Jahren selbst beim UHK Krems Handball gespielt und hat mich schon als Baby im Kinderwagen jedes Wochenende mit in die Halle genommen. Ich bin also richtig in diesen Sport reingeboren und war immer schon fest im Handballumfeld verankert. Mein absoluter Wohlfühlort ist deswegen auch die Sporthalle Krems ;). Die Atmosphäre in der Halle, die Nähe zu den Spielern und die besondere Gemeinschaft in der Handball Community prägen mich bis heute. Ich selbst habe bis zur U16 selbst bei GKL Krems-Langenlois gespielt – bis ich gemerkt habe, dass ich im Handball strategisch wohl besser aufgehoben bin. ;)
Yadi: Zum Handball bin ich tatsächlich durch meinen Mann Thomas Menzl gekommen. Er lebt diesen Sport seit über 30 Jahren mit unglaublicher Leidenschaft und hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Qualität, die Wahrnehmung und das Image des Handballs in Österreich weiterzuentwickeln. Durch ihn habe ich die Hallen, die Vereine, die Menschen und die besondere Energie dieses Sports kennengelernt. Irgendwann merkt man dann, dass man selbst Teil davon geworden ist.
Wie nimmst du die Geschlechterverteilung im Handball wahr, auf und abseits des Spielfelds?
Jil: Gerade in Sportmanagement-Positionen ist der Handball noch immer stark männerdominiert. Gleichzeitig spürt man, dass sich langsam etwas bewegt.
Auch der Damenhandball bekommt zunehmend mehr Aufmerksamkeit, trotzdem gibt es in vielen Bereichen noch gravierende Unterschiede – etwa bei Ressourcen oder in der Nachwuchsförderung. Umso wichtiger ist es, dass Frauen im Handball sichtbar sind. Nicht nur als Spielerinnen, sondern auch als Trainerinnen, Funktionärinnen oder in den Medien. Wenn junge Mädchen sehen, dass Frauen diese Rollen selbstverständlich ausfüllen, eröffnet das neue Möglichkeiten und Perspektiven.
Yadi: Auf dem Spielfeld gibt es viele beeindruckende Spielerinnen, die mit enormer Leidenschaft und Professionalität spielen. Abseits des Feldes sieht man aber noch deutlich, dass viele wichtige Positionen weiterhin überwiegend von Männern besetzt sind. Ich glaube, dass hier noch viel Potenzial liegt. Mehr Frauen in Entscheidungspositionen, im Management oder auch im medialen Bereich würden dem Handball insgesamt guttun.
Inwiefern bist du im Handball schon mit Klischees oder festgefahrenen Rollenbildern konfrontiert worden?
Jil: Als junge Frau im Sportmanagement wird man manchmal zunächst unterschätzt – vor allem, wenn Menschen einen noch nicht kennen.
In Krems erlebe ich allerdings einen sehr wertschätzenden Umgang. Meine Erfahrung ist, dass sich viele Vorurteile schnell auflösen, sobald man Engagement, Fachwissen und Leidenschaft zeigt. Einzelne Kommentare – gerade von Herren der älteren Generation – gibt es natürlich trotzdem. Damit kann ich mittlerweile aber sehr gelassen umgehen.
Yadi: Ich denke, viele Frauen im Sport kennen Situationen, in denen man zuerst ein bisschen unterschätzt wird. Man wird manchmal eher als Begleitung wahrgenommen und nicht unbedingt als jemand, der selbst Ideen hat oder Projekte vorantreibt. Mit der Zeit merkt man aber, dass sich solche Bilder schnell ändern, wenn man konsequent arbeitet, vorbereitet ist und zeigt, dass man wirklich etwas beitragen möchte.
Welche konkreten Schritte könnten deiner Meinung nach dazu beitragen, Vielfalt und Gleichstellung im Handball nachhaltig zu fördern?
Jil: Ein wichtiger Ansatzpunkt liegt bereits in der Jugendarbeit. Häufig bekommen männliche Nachwuchsteams bessere Hallenzeiten, mehr Ressourcen oder besser ausgebildete Trainer als Mädchenmannschaften. Gerade dort entscheidet sich aber, welche Perspektiven junge Spielerinnen später im Sport haben.
Gleichzeitig können Vereine aktiv Frauen fördern und ihnen Verantwortung übertragen. Mir persönlich wurde zum Beispiel eine Position im Vorstand angeboten – manchmal braucht es genau solche Initiativen, um Frauen den Weg in diese Bereiche zu erleichtern.
Auch Medien spielen dabei eine wichtige Rolle. Je sichtbarer der Handball wird – und je mehr Geschichten von Spielerinnen, Trainerinnen oder Funktionärinnen erzählt werden – desto selbstverständlicher wird Gleichstellung im Sport.
Yadi: Ich glaube, ein wichtiger Schritt wäre, mehr Frauen gezielt in verantwortungsvolle Positionen zu bringen. Nicht nur symbolisch, sondern wirklich aktiv einzubinden. Außerdem braucht es mehr Unterstützung von Verbänden und Institutionen für Frauen, die im Handball eine professionelle Laufbahn einschlagen möchten. Das beginnt schon im Nachwuchsbereich und bei den Trainingsstrukturen.
Wir brauchen deutlich mehr Frauen als Trainerinnen im gesamten Handball, nicht nur im Frauenbereich. Frauen können genauso kompetent sein wie viele der Männer, die heute diese Positionen innehaben. Oft fehlt aber die echte Chance, daraus einen langfristigen Weg zu machen. In vielen Fällen werden Frauen gar nicht erst in Betracht gezogen, und wenn doch, sind die Bedingungen oder die Bezahlung oft alles andere als attraktiv. Wenn wir in diesen Bereichen mutiger werden, kann der Handball insgesamt vielfältiger und stärker werden.


































