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spusu HLA Vize-Präsident und SG INSIGNIS Handball WESTWIEN Manager Conny Wilczynski begleitet aktuell die Handball EM 2018 in Kroatien mit dem ORF. Die österreichischen Handball-Fans erleben eine umfassende und breite Berichterstattung rund um dieses sportliche Großereigniss mit exklusiven Hintergrundinfos und Einblicken in die österreichische und internationale Handballszene.
Österreichs Handball-Ikone Conny Wilczynski wirft nachfolgend einen Blick zurück auf die Perfomance des österreichischen Nationalteams in der Vorrunde und wagt auch kritische Ausblicke für die Zukunft.

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Liebe Handball-Freunde,

die EM ist für Österreich vorbei und man konnte das erklärte Ziel leider nicht erreichen. Vor allem im letzten Spiel gegen Norwegen wurden uns die Grenzen aufgezeigt. Viele Entscheidungen werden nun thematisiert bzw. Fragen tauchen auf. War es richtig, Vytas kurzfristig zu reaktivieren? War es richtig, im Entscheidungsspiel eine Deckungsumstellung vorzunehmen? Etc.

Bei all diesen Punkten ist man im Nachhinein natürlich immer g’scheiter. Aber all das sind Fragen, bei denen ich mir sicher bin, dass das Trainerteam rund um Patti Johannesson sie kritisch analysieren und die richtigen Schlüsse daraus ziehen wird.

Man darf nicht vergessen, dass Vytas vor dem entscheidenden Qualifikationsspiel gegen Bosnien auch kurzfristig nominiert wurde, obwohl er bei den anderen Spielen nicht dabei war. Und aus meiner Sicht wäre es damals ohne ihn schwer gewesen, das Spiel gegen Bosnien zu gewinnen und sich für die EM zu qualifizieren. Dieses Mal ist der Plan nun mal nicht aufgegangen, aber man sollte vorsichtig mit der Behauptung sein, dass der Plan völlig falsch war. Viele Trainer hätten wahrscheinlich ähnlich entschieden.

Sportlich gesehen waren wir im Spiel gegen Weißrussland gut, aber nicht gut genug. Die Mannschaft hat Charakter gezeigt und sich immer wieder zurückgekämpft, die entscheidenden Big Points sind leider nicht geglückt. Dennoch hat man gesehen, dass man dran ist und uns zu Weißrussland nicht viel fehlt. Generell wurden uns natürlich die Grenzen aufgezeigt. Trotz des Ausscheidens bin ich der Überzeugung, dass die Quali bereits ein großer Erfolg und die Teilnahme für die Entwicklung unserer Spieler extrem wichtig war. Das sind genau die Spiele, die die Spieler weiterbringt und die sie brauchen!

Für die Organisation rund um die EM muss man dem ÖHB ein großes Lob aussprechen. Sie haben mit ihren Programmpunkten, dem „Österreich-Haus“ etc. ein großes Fest für die zahlreichen Fans auf die Beine gestellt und die EM zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht.

Eine Frage, die mich für die Zukunft viel mehr beschäftigt, ist die, welche Lehren wir generell ziehen können. Eine gute Spielanalyse ist das eine, welche Maßnahmen bzw. Lehren daraus gezogen werden das andere – und für mich das Entscheidende für die Zukunft des österreichischen Handballs!

Ich denke, dass in den letzten Jahren sehr gute Schritte gemacht und dass viele gute Entscheidungen getroffen und Maßnahmen ins Leben gerufen worden sind. Egal ob im Nachwuchs oder bei den Herren. Die Verpflichtung von einem Weltklasse-Tormanntrainer, das Einbinden eines Mentaltrainers, der Ausbau der LAZ, professionelle Nachwuchs-Projekte wie z.B. rund um das 2000er Nationalteam, das Organisieren von Kinderfesten für die Kleinsten, etc. All das sind Maßnahmen, die gut und richtig sind. Was mir aber noch fehlt, ist die Definition und die Durchführung eines einheitlichen sportlichen Weges. Was ist die österreichische Handballschule? Aus meiner Sicht müssen wir diskutieren, welchen Weg wir alle gemeinsam einschlagen wollen. Egal ob Verband, Liga oder Vereine – wir brauchen EINEN Weg und EIN Commitment von allen Beteiligten.

Und vielleicht noch wichtiger ist die Frage, wer das „Gesicht“ dahinter ist, wer die Richtung vorgibt und all die Trainer führt und auf einen einheitlichen Weg bringt! Das ist eine Person bzw. Position, die aus meiner Sicht im österreichischen Handball noch fehlt und ein richtungsweisender bzw. notwendiger nächster Schritt wäre.

Wir haben sehr viele schöne kleine Bilder, jetzt gilt es, diese in ein großes Bild zusammenzutragen. Dann werden wir sehen, dass wir aus vorhandenen Möglichkeiten noch mehr rausholen können. Denn eines ist klar. Aufgrund der tollen Erfolge der letzten Jahre sind die Ansprüche gestiegen. Fünf Teilnahmen an Großereignissen in den letzten acht Jahren sind ein beachtliches Ausrufezeichen, das vor einigen Jahren noch undenkbar war und im österreichischen Mannschaftsport generell Seltenheitswert hat. Die Lust nach mehr wird aber bei allen Beteiligten natürlich auch größer!

In diesem Sinne freue ich mich auf die nächsten Jahre im österreichischen Handball!
© spusu HLA Handball Liga Austria 2016
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