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Seit wenigen Wochen führt Thomas Berger die Geschicke der Handball Liga Austria als Geschäftsführer. Nach seiner Einarbeitungsphase haben wir ihn zu seinen Plänen für die Entwicklung der Liga befragt, den aktuellen Stand der HLA und natürlich auch die Heim-EM 2020.

Herr Berger, zuerst einmal herzliche Gratulation zum neuen Job! Sie haben sich mit dem Konzept Agenda 2021 beworben, was verbirgt sich hinter diesem Arbeitstitel?

Tom:
 „Dahinter verbirgt sich ein Fahrplan für die HANDBALL LIGA AUSTRIA (HLA) für die nächsten 4,5 Jahre, den das neue Präsidium mit Boris Nemsic (Präsident), Christian Kropf (Vizepräsident) und Conny Wilczynski (Vizepräsident) zusammen mit mir erstellt hat. Wir wollen in den 7 Kernbereichen POSITIONIERUNG, PRODUKTGESTALTUNG, SPONSORING, NETZWERK, KOMMUNIKATION,  VERANSTALTUNGEN & STRUKTUREN Akzente für den österreichischen Spitzenhandball setzen und gerade im Vorfeld der EURO 2020 die einzigartigen Chancen nutzen, die diese bieten wird. Wir sind davon überzeugt, dass in den letzten Jahren sowohl von Seiten des ÖHBs und den Nationalteams aber auch von Seiten der HLA und den einzelnen Clubs sehr leidenschaftlich und erfolgreich am Produkt Handball AUSTRIA gearbeitet wurde und wir uns nun in einer hochspannenden und -interessanten Entwicklungsstufe mit einigen Möglichkeiten befinden.

Als langjähriger Vereinsmanager kennen Sie ja die Liga sehr gut, wo sehen Sie als HLA Geschäftsführer und somit nun auf der andere Seite positioniert aktuell die größten Baustellen?
Tom:
 „Ich sehe in allen sieben Kernbereichen enorme Herausforderungen, die wir in den kommenden Jahren mit geballter Leidenschaft voran bringen wollen. Höchste Priorität hat für mich das Thema Liga-SPONSORING. Die Vereine arbeiten wirtschaftlich in den jeweiligen Regionen, gemessen an einer Randsportart, sehr erfolgreich und stellen gesamt über 10 Mio.€ gemeinsam mit Ihren Partnern für unseren Sport auf. Dafür gebührt Ihnen meine höchste Anerkennung. Wir müssen es allerdings lieber gestern als morgen schaffen, auch Partner für die Liga zu finden, um die zentralen Herausforderungen weiter voran zu bringen und die Vereine in deren Weiterentwicklung zu unterstützen. Hierbei möchte ich vor allem das Thema Infrastruktur ansprechen. Dem österreichischen Handballsport generell und damit verbunden natürlich auch den HLA-Vereinen, fehlt es an Trainingskapazitäten = Hallenzeiten. Darüber hinaus müssen wir stetig bemüht sein unsere Heimspiele als Veranstaltungen/Events weiter voran zu bringen und das ist in manchen Schul-Sporthallen nur begrenzt möglich. Damit verbunden auch die Präsentation der HLA-Spiele via TV und/oder Livestreams. Auch hier müssen wir weiter an den möglichen Verbesserungen arbeiten, um unseren Sport möglichst attraktiv über diverse Kanäle zu präsentieren. Das sollte dann auch wieder beim Thema Liga-SPONSORING helfen. 

In den letzten Jahren konnte erfolgreich das HLA Livespiel der Woche auf Laola1.tv positioniert werden. Mit dem  Start der neuen Saison wurde das Produkt noch einmal professionalisiert, was genau wurde im Vergleich zu den letzten Jahren verändert?
Tom:
 „Dieser Schritt war für die HLA enorm wichtig. Wir konnten in den letzten 8 Jahren aus eigener Kraft den Kommunikationskanal Livestream aufbauen und entwickeln. Mit der Partnerschaft zu LAOLA1.tv wurde dieser Kanal, dieses Produkt noch einmal auf einen höheren Level gehoben. Uns war es vor allem wichtig, regelmäßig zu fixen Sendezeiten HLA-Spiele ausstrahlen zu können und diese möglichst attraktiv aufzubereiten. Das ist uns in meinen Augen gelungen. Jeden Freitag um 19:30 Uhr ist die HLA LIVE auf LAOLA1.tv und A1 TV zu sehen, produziert mit 4 Kameras, Slowmotion, 2 Kommentatoren, Specials sowie Highlights und sogar dem ganzen Spiel on demand im Nachgang über das eigene LAOLA1.tv-Handballportal. Eine Riesenchance für die HLA und unseren Sport.“

Auch der Außenauftritt der Liga hat sich in den vergangen Spielzeiten zum Positiven verändert, mit dem Slogan „Geballte Leidenschaft“ tritt man nun in der Öffentlichkeit auf. Sind in dieser Hinsicht auch noch weitere Entwicklungsschritte wie z.B. eine Verbesserung des Hallenbildes oder die Steigerung der Zuschauerzahlen angedacht?
Tom:
 „Auch diese Frage möchte ich wieder mit der Agenda 2021 beantworten. Die HLA hat sich in den letzten beiden Jahren sehr bemüht im Bereich der POSITIONIERUNG klare Akzente zu setzen. Das wurde in meinen Augen mitunter durch ein neues Logo und Gesamtdesign, ein neues Leitbild sowie einem neuen Slogan (GEBALLTE LEIDENSCHAFT) sehr ordentlich umgesetzt. Vereinzelt wurde dieses neue Erscheinungsbild auch schon in den jeweiligen Spielstätten, im Sinne eines Hallenbrandings sichtbar. Es ist eines der Ziele für dieses Jahr, das neue Hallenbranding in allen 10 HLA-Hallen einzuführen.“

Die Professionalisierung im Sport ist in den letzten Jahren stetig vorangeschritten, ist es ein frommer Wunsch oder ein realistisches Ziel, dass jeder HLA Verein zumindest einen hauptamtlichen Vollzeit-Mitarbeiter anstellen kann, der sich um die Weiterentwicklung des Vereins bemühen kann?
Tom:
 „Wenn man sich die aktuelle Situation der einzelnen Vereine ansieht, dann ist die HLA in diesem Punkt schon weit gekommen. Mit den Fivers, Westwien, Leoben, Ferlach, Schwaz/Tirol, Bregenz und Hard haben schon jetzt 8 der 10 HLA-Vereine einen oder mehrere hauptamtliche Mitarbeiter, die sehr leidenschaftlich und bemüht an der jeweiligen Vereinsentwicklung arbeiten. Ich würde es also als ein realistisches Ziel bezeichnen.“

Die Liga ist nun seit geraumer Zeit ohne Titelsponsor, denken Sie, dass in absehbarer Zeit ein neuer Partner präsentiert werden kann bzw. anders gefragt, ist die Liga aktuell für einen Sponsor überhaupt interessant genug?
Tom:
 „Wie oben schon angesprochen ist das Finden eines Titelsponsor sicher eine der größten Herausforderungen der Liga, die bei mir höchste Priorität hat. Einfach ist so eine Aufgabe nie, als glühender Sportler liebe ich allerdings die Challenge und Herausforderungen und bin guter Dinge, dass wir uns hier in einem aussichtsreichen Entwicklungsprozess befinden. Als Handballer sind wir in der glücklichen Lage, dass wir es mit einem absolut überzeugenden Produkt und hochwertigen Netzwerk zu tun haben. Das ist schon einmal eine gute Basis für den Verkauf. Darüber hinaus sehe ich unseren Sport mit der erfolgreichen Entwicklung der letzten Jahre und der spannenden Aussicht auf die EURO 2020 in einer absolut interessanten Situation mit vielen Möglichkeiten. Somit YES WE CAN und JUST DO IT!

Kommen wir nun zum sportlichen, mit Sparkasse Schwaz HANDBALL TIROL und dem SC kelag Ferlach spielen aktuell zwei Vereine überraschend an der Spitze mit. Ist die Liga sportlich noch enger zusammengerückt und dürfen sich die Handballfans auf weitere überraschungen freuen?
Tom: "In meiner Position freue ich mich natürlich sehr über diese Situation, dass Überraschungen passieren und die vermeintlich Kleinein die vermeintlich Großen immer wieder schlagen. Das macht die Liga spannender und interessanter. Die HLA würde ich generell als verhältnismäßig homogen bezeichnen, was sicher eine ganz große Stärke im Vergleich zu anderen Ligen in und außerhalb Österreichs ist. Das gilt für mich übrigens nicht erst seit heuer, sondern auch schon für die letzten Saisonen. Gerade im Grunddurchgang gab es immer wieder Überraschungen. Am Ende konnten sich dann aber doch die Favoriten durchsetzen.

Im internationalen Vergleich spielen Österreichs Vereine allerdings leider bereits seit einiger Zeit nur eine untergeordnete Rolle, Bregenz Handball konnte als letzter Vertreter in der Saison 2008/09 die CL-Gruppenphase erreichen und auch in den anderen internationalen Bewerben sucht man Erfolge österreichischer Teams vergeblich. Auf der anderen Seite konnte das Nationalteam in den vergangen Jahren bemerkenswerte Erfolge feiern, durchaus auch mit Spielern, die in der heimischen Liga aktiv sind bzw. ausgebildet wurden. Womit kann man dieses Phänomen erklären?
Tom:
 „Das ist ein sehr komplexes Thema. Es ist richtig, dass die österreichischen Vereine schon seit geraumer Zeit international keine nennenswerten Erfolge mehr einfahren konnten. Man muss hier erkennen, dass die europäischen Bewerbe sowohl sportlich, als auch von den Ansprüchen rund ums Spielfeld, mittlerweile eine Entwicklungsstufe erreicht haben, bei der man sich als österreichischer Verein immer schwerer tut. Manche Vereine verzichten vor diesem Hintergrund auf die Teilnahme und konzentrieren sich verstärkt auf die nationalen Bewerbe und die damit verbundene Entwicklung ihrer Nachwuchsspieler. Umso höher fällt hier meine Anerkennung und Achtung für Vereine aus, die den „europäischen Weg“ trotz aller Herausforderungen seit Jahrzehnten konsequent gehen. Hard und Bregenz waren in den letzten Jahren knapp dran den Sprung in die Champions League zu schaffen und mit der aktuellen Auslosung in der 3. Qualifikationsrunde des EHF-Cups gegen den FC PORTO sind für Bregenz alle Chance vorhanden, erstmals in der Vereinsgeschichte die Hauptrunde dieses Bewerbes zu erreichen, was für den österreichischen Handballsport ein Riesenerfolg wäre.“

Zuletzt wechselten vermehrt junge Spieler wie Christoph Neuhold, Tobias Wagner und allen voran Nikola Bilyk nach Deutschland, ist die Bezeichnung „Ausbildungsliga“ ein Status und eine Entwicklung, mit der sich die HLA identifizieren kann?
Tom:
 „So sehr wir uns über diese außergewöhnlichen Beispiele freuen und die teilweise überragende Jugendarbeit der HLA-Vereine schätzen, so vorsichtig müssen wir mit dem Begriff „Ausbildungsliga“ sein, denn damit identifizieren sich ganz sicher nicht alle Vereine der HLA. Mit dem Gentlemen-Agreement, das den Einsatz der nicht für das österreichische Nationalteam rekrutierbaren Spieler auf maximal 4 pro HLA-Verein begrenzt, verpflichten sich alle HLA-Vereine seit Jahren zu einem österreichischen Weg. Dieser muss sich allerdings nicht zwingend als „Ausbildungsliga“ für andere europäischen Ligen manifestieren. Neben einer ausgezeichneten Nachwuchsarbeit sollten wir in Österreich durchaus den Anspruch haben auch Handballer im besten Leistungsalter in der HLA zu halten und dafür das entsprechende Umfeld zu schaffen.“

Im Jahr 2020 findet wieder eine Heim-Europameisterschaft in Österreich statt, zuletzt gab es auch einen Schulterschluss mit dem ÖHB und das Bekenntnis eines gemeinsamen Wegs bis 2020. Was erwartet sich die Liga von der EM, wie will man dieses Großereignis nutzen und welche Ziele möchte man erreichen?
Tom:
 „Die EURO 2020 ist das ganz große nächste Handball Highlight, auf das wir uns in Österreich freuen dürfen. Zudem wird sie erstmals in drei Ländern gleichzeitig mit einer aufgestockten Teilnehmeranzahl ausgetragen - es wird also eine Premiere und somit einzigartig werden. Wir werden uns als HLA im Vorfeld mit GEBALLTER LEIDENSCHAFT bemühen die EURO 2020 mit all ihren Möglichkeit für unsere 7 Kernbereiche POSITIONIERUNG, PRODUKTGESTALTUNG, SPONSORING, NETZWERK, KOMMUNIKATION, VERANSTALTUNGEN und STRUKTUREN als Teil von Handball AUSTRIA zu nutzen.“ 
© spusu HLA Handball Liga Austria 2016
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